Primarschule Uster
Wir haben mit Reto Schlumpf über seine Aufgabe als Schulbusfahrer gesprochen.
Schulbusse erfüllen einen wichtigen Auftrag: Sie transportieren alle Kinder, welche den Schulweg aufgrund der Länge oder Gefährlichkeit nicht selbstständig bewältigen können. Buschauffeure wie Reto Schlumpf sind dafür besorgt, dass alles reibungslos klappt. Schlumpf ist in Uster aufgewachsen und fährt für die «EUROBUS welti-furrer AG». Im Interview gibt er Einblicke in seinen Beruf.
Das Wichtigste ist klar die Sicherheit. Wir fahren das Wertvollste, das es gibt: die Kinder. Zur Sicherheit gehören insbesondere folgende Punkte: Die Kinder sind korrekt angeschnallt, sie sitzen auf der passenden Sitzerhöhung und ich habe den Spiegel immer im Blick, um zu sehen, was im Bus passiert. Bei Bedarf setzen wir spezielle Gurtschlösser ein, damit sich ein Kind nicht selbst abschnallen kann. Das ist ein Eingriff, darum wird das immer mit den Eltern, der Schule bzw. dem Kindergarten und mit «EUROBUS» abgesprochen und im System vermerkt. Sicherheit heisst auch: Der Bus muss technisch in Ordnung sein. Funktionieren alle Lichter? Ist alles sauber und aufgeräumt?
Das Tablet ist mein wichtigstes Arbeitsinstrument. Darauf sehe ich alle Touren, Haltestellen und Zeiten, die ich einhalten muss. Ich erkenne auch, ob ein Kind abgemeldet ist. Ohne Tablet und Handy darf ich nicht losfahren. Einmal habe ich das Tablet zu Hause vergessen, dann musste das Büro für mich jedes Kind «abhaken». Seither kontrolliere ich sehr bewusst: Tablet geladen, Ladekabel dabei – erst dann starte ich. Ich fahre Kinder der HPS und Regelschulkinder. HPS-Kinder holen wir «Hand zu Hand» ab: Eltern oder Erziehungsberechtigte übergeben mir das Kind persönlich. Sobald ich es im System einlogge, sehen sie in der App: «Das Kind ist im Bus». Sie können sogar live sehen, wo der Bus ist. Das ist ideal bei Verspätungen.
Die Kommunikation ist absolut zentral, ohne sie geht es nicht. Sie ist auch herausfordernd, weil ich gleichzeitig mit sehr unterschiedlichen Personengruppen zu tun habe: mit den Kindern, mit den Eltern und mit der Bürozentrale.
Im Bus sitzen sehr unterschiedliche Kinder: vom Kindergartenkind bis zum Jugendlichen, vom ruhigen bis zum sehr lebhaften Kind. Manchmal wird eins unruhig und ich muss gleichzeitig die anderen im Blick behalten und mich auf den Verkehr konzentrieren. Meine Fantasiegeschichten helfen oft, die Stimmung zu beruhigen – besonders bei den kleineren.
Sie sind sehr freundlich und dankbar, dass wir ihre Kinder sicher fahren und auf sie aufpassen. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder rechtzeitig abmelden, sonst fahren wir umsonst zur Haltestelle, warten, telefonieren. So geraten wir unter Zeitdruck. Verspätungen ab 10 Minuten melden wir im Büro; die Eltern erhalten dann eine Nachricht. Wenn ich sehe, dass ich meine nächste Tour zeitlich nicht mehr schaffe, melde ich das frühzeitig, damit ein Ersatz organisiert werden kann.
Der Schulbus ist oft der erste Kontakt mit der «Aussenwelt» nach dem Aufstehen – darum soll die Stimmung positiv sein. Zur Atmosphäre gehört auch die Deko: Im Dezember wird der Bus zum «Weihnachtsbus» mit Lichtern. Ende Oktober dekoriere ich jeweils einen «Halloween-Bus». Die Kinder lieben das, und auch von den Eltern kommt viel positive Rückmeldung.
Trauen Sie Ihren Kindern den eigenständigen Schulweg zu und verzichten Sie auf Eltern-Taxidienste. Sie werden selbstständiger, sicherer im Verkehr und stolzer auf sich. Und Sie als Eltern helfen mit, gefährliche Situationen vor den Schulhäusern zu vermeiden und unsere Arbeit als Schulbusfahrer nicht zusätzlich zu erschweren.